Böttcher Coaching
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Ängste im Beruf

Juli 1, 2021 - Lesezeit: 5 Minuten

Viele Menschen kämpfen mit diversen und diffusen Ängsten im Arbeitsalltag. Die Ängste im Beruf können Betroffenen unüberwindbare Hürden bereiten und die tägliche Arbeit extrem erschweren. Oft bleibt die wahre Angst hinter einer emotionalen Unzufriedenheit versteckt und ist als Angst nicht erkennbar. Wenn der Beruf keinen Spaß mehr macht, man sich tagtäglich zum Arbeitgeber quälen muss, ist dies oft eindeutiges psychisches Signal dafür, dass sich hinter der gefühlten Unzufriedenheit eine Angst verbirgt. Eine Ursache für Ängste im Beruf können in der Psyche oder Biografie verborgen liegen: So sind es häufig kindliche Mobbing- oder Ausgrenz-Erfahrungen, überängstliche oder abwertende Eltern, die Grundsteine für ein tiefes Sorge-Empfinden legen, das sich im späteren Verlauf am Arbeitsplatz zeigt.

Auch eher kleinere Ängste im Job, die ein Hindernis darstellen, können sich zu wahrhaften großen Ängsten entwickeln. Wie in allen Fällen von Angst gilt auch bei Ängsten im Beruf, dass es hilft sich ihnen aktiv zu stellen, denn eine Verdrängung oder das Abtun der Angst als Macke wirkt kontraproduktiv und verschlimmert die vorhanden Angst auf Dauer nur. Ein unsicherer Umgang mit der Angst fördert die Angst, während Sicherheit der Angst den Nährboden entzieht - dieser psychologische Ansatz der Angsttherapie gilt im übrigen für alle Ängste.

Ängste im Beruf - eine Übersicht und Handlungsoptionen

Ängste bei Vorträgen, Präsentationen, Meetings

Die Angst vor Vorträgen und Redebeiträgen in Meetings vor Gruppen ist nicht ungewöhnlich. Es ist jedoch mit einfachen Mitteln möglich, der Angst den Gar auszumachen: Ein sicheres Auftreten wird bedingt durch eine gute Wissensbasis - Vorbereitung ist hier das A und O - es gibt Sicherheit. Das gute Aufbereiten des zu präsentierenden Inhaltes bietet hierbei den Grundstein. Folien, Grafiken, Texte sollten stichhaltig sein. Der Präsentationsablauf sollte dazu einstudiert werden. Besonderes Augenmerk sollte hierbei auf Anfang und Ende gelegt werden. Auch eine Generalprobe im engen Kreis (Familie, Freunde) hilft. Während der Präsentation sollten Sie immer in ein freundliches Augenpaar unter den Zuhörer/innen sprechen, nicht zur kompletten Gruppe. Und sollte es innerhalb der Präsentation zu kleinen Unsicherheiten kommen, ist das überhaupt nicht schlimm, es wirkt sogar sympathisch. Größere Unsicherheiten oder größere Umstände, die verhindern, dass eine Präsentation gelingt oder man sich einigermaßen wohl mit ihr fühlt, sollten allerdings mit einem Coach bearbeitet werden - nicht zuletzt deshalb, weil sie sich unbehandelt, sonst meist eher verschlimmern als von alleine bessern.

Prokrastination - Aufschieben von Arbeiten

Hinter dem regelmäßigen Verschieben von Arbeiten in die Zukunft steckt das Vermeiden, welches in extremen Formen enormen Leidensdruck mit sich bringen kann. Das extreme Aufschieben kann pathologisch werden und erzeugt stets inneren Druck, außerdem entsteht am Ende oft Zeitmangel, der wiederum als unangenehm empfunden wird. Helfen kann hier ein „Sich-mit-sich-selbst-verabreden“: Einen beliebigen Startpunkt für eine bestimmte Arbeit setzen und mindestens 20 Minuten daran arbeiten - 20 Minuten kann man dann doch opfern - und fast immer wird dies dann der Startschuss für mehr! Ist das Problem ein komplexeres, braucht man wahrscheinlich professionelle Hilfe.

Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes

Die Zeiten sind nicht wie früher, langfristige Arbeitsverträge sind eher die Seltenheit, wirtschaftliche Krisen sind Gang und Gäbe. Die Angst den Job zu verlieren ist nicht irrational. Der Beruf dient häufig auch nicht alleine der Deckung der Lebenshaltungskosten, Arbeit ist für viele auch ein Weg der Selbstverwirklichung. Trotz allem ist es im ersten Schritt wichtig, die Angst vor dem Jobverlust als „normales Phänomen“ zu akzeptieren - sofern sie nicht überdimensional groß ist. Schon die Akzeptanz, dass ein möglicher Jobverlust eine durchaus realistische Möglichkeit in der heutigen Zeit ist, nimmt eine gewisse Last. Bei schwerer Angst gilt es objektiv zu überprüfen: wie realistisch ist der Jobverlust tatsächlich? Ist es es eigentlich eher unwahrscheinlich - und die Angst somit eher diffus, dann hilft es, Tatsachen von Phantasien besser unterscheiden zu lernen und sich klar zu werden, was wirklich ist und was nicht. Wenn ein Jobverlust jedoch eher wahrscheinlich ist, hilft keine Grübeln - man sollte zur Tat schreiten: den Dingen ins Auge schauen, Eventualitäten ausloten, einen Plan B und vielleicht auch Plan C schmieden, Informationen einholen, für Zuversicht sorgen…

Angst vor dem Chef / vor Vorgesetzten

Viele Vorgesetzte sind gestresst, kurz angebunden und unfreundlich. Dieses Verhalten kann bei unterstellten Mitarbeitern Ängste hervorrufen. Aber die Angst vor Vorgesetzten ist durchaus irrational. Denn die meisten Vorgesetzten sind gut ausgebildet und wissen um die ökonomischen Vorteile harmonischer Beziehungen im Berufsleben. Man sollte sich von den Stimmungen der Vorgesetzten nicht abschrecken lassen und diese nicht auf sich beziehen. Ein Gespräch mit dem Vorgesetzten, in dem klar formuliert wird, was man möchte, kann oft Wunder wirken, denn die meisten Vorgesetzten sind offen für das Feedback ihrer Mitarbeiter. Gestaltet sich die Beziehung jedoch komplizierter, herrscht eventuell ein schlechtes Arbeitsklima oder liegt sogar Mobbing vor - dann kann es sinnvoll sein, sich Hilfe für ein geplantes Vorgehen und einen professionellen Umgang mit schwierigen Persönlichkeiten, Konstellationen oder Situationen zu holen.

Angst davor, die Arbeit nicht zu schaffen

Die heutige Arbeitswelt ist von einer hohen Arbeitszeitverdichtung geprägt. Viele Aufgaben müssen in kurzer Zeit erledigt werden. Dazu eröffnen diverse Kommunikationskanäle wie E-Mails, Telefon, Handy, Messenger-Dienste permanente Einfallstore für Arbeitsanfragen. Das alles erzeugt Druck. Hier hilft nur ein klar strukturierter Arbeitstag, der beispielsweise feste Zeiten für das Beantworten von E-Mails etc. bereitstellt. Ein Sich-Hetzen-Lassen bringt nicht viel - in der Eile passieren viele Fehler, es gilt sich für alle Arbeiten die Zeit zu lassen, die für ein sorgfältiges Erledigen benötigt wird. Es sollten auch stets Minipausen eingeplant werden, z.B. nach dem Erledigen eines bestimmten Arbeitsabschnittes: mal einen Tee trinken und sich die Zeit nehmen, die eigene Arbeit zu reflektieren: Was steht noch an? Was habe ich bereits erledigt? Worüber freue ich mich, weil ich es erledigt habe? Was ist neu hinzugekommen? Die Kontrolle zu behalten durch gutes Strukturieren vermeidet Arbeitsüberflutung. Ist es jedoch dennoch zu viel, braucht es differenziertere und individuellere Lösungen, die erarbeitet werden müssen.

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